Human · Fachbereich Allgemeinmedizin

Hausarztpraxis gründen.

Die Allgemeinmedizin ist der zugänglichste Weg in die eigene Niederlassung: Sie brauchen keine teuren Großgeräte, die Bedarfsplanung ist vielerorts offener als bei spezialisierten Fachgruppen, und auf dem Land locken Förderungen. Ehrlich bleibt trotzdem: Ein Kassensitz ist kein Selbstläufer, und der Alltag als Hausärztin oder Hausarzt ist geprägt von Budgetdruck und Fachkräftemangel. Hier lesen Sie, worauf es wirklich ankommt.

▸ geringe Geräteinvestition▸ oft offene Kassensitze▸ HZV & Förderung erklärt
Warum die Allgemeinmedizin anders ist

Besonderheiten & Vorteile

Drei Punkte machen die Hausarztpraxis zum vergleichsweise gut planbaren Einstieg in die Selbstständigkeit — und einer davon verschiebt die ganze Standortfrage.

Investition

Geringe Geräteinvestition

Kein CT, kein MRT, keine millionenschwere Technik: Labor, Sonografie, EKG und Grundausstattung genügen. Übernahme im Schnitt rund 190.000 Euro, Neugründung eher 200.000 bis 230.000 Euro — für eine Arztpraxis am unteren Ende der Skala.

Zulassung

Offenere Bedarfsplanung

Für die hausärztliche Versorgung sind viele Planungsbereiche nicht gesperrt — besonders im ländlichen Raum. Wo ein Sitz frei ist, ist eine echte Neugründung möglich, nicht nur die Übernahme.

Vergütung

HZV & Förderung

Die hausarztzentrierte Versorgung bringt einen verlässlichen Patientenstamm und planbares Honorar außerhalb des Budgets. Auf dem Land kommen Investitionszuschüsse von 30.000 bis 90.000 Euro dazu.

Rolle

Lotse statt Spezialist

Als erste Anlaufstelle koordinieren Sie die gesamte Versorgung Ihrer Patient:innen. Das breite Spektrum bindet Menschen langfristig — der Zuweiser-Druck spezialisierter Fächer entfällt weitgehend.

Einstieg

Quereinstieg per Übernahme

Viele Praxen suchen dringend Nachfolger. Übernahme heißt: Kassensitz, eingespieltes Team und Patientenstamm ab Tag 1 — der schnellste Weg in einen gesperrten Bereich.

Ehrlich

Wo die Hürden liegen

Budgetierung, Regresse, Fachkräftemangel bei MFA und die Altersgrenze von 55 Jahren bei Erstzulassung sind real. Die Nachfrage ist da — die Wirtschaftlichkeit hängt an Organisation und Fallzahl.

Human-Besonderheit: Auch in der Allgemeinmedizin gilt die Bedarfsplanung der KV. Der Unterschied zu Orthopädie oder Radiologie: Hausärztliche Planungsbereiche sind seltener gesperrt, sodass eine Neuzulassung realistischer ist. Wo doch gesperrt, greift die Nachbesetzung eines Sitzes nach Paragraf 103 SGB V.

Schritt für Schritt

Checkliste: Hausarztpraxis gründen

Von der Zulassung bis zur HZV-Teilnahme. Zum Abhaken — nichts vergessen.

1 · Arztregister-EintragFacharztanerkennung für Allgemeinmedizin und Eintrag ins Arztregister der KV — die Grundlage jeder Zulassung.
2 · Standort & Bedarfsplanung prüfenOffene Planungsbereiche identifizieren — hausärztlich oft ländlich und förderfähig. Bei Sperrung: Nachbesetzung nach Paragraf 103 SGB V.
3 · Zulassungsantrag beim ZulassungsausschussAntrag mit Arztregisterauszug, Lebenslauf und Führungszeugnis für die vertragsärztliche Zulassung.
4 · Businessplan & Finanzierung150.000 bis 230.000 Euro kalkulieren, Liquiditätspuffer einplanen und Landarztförderung sowie KfW-Kredite prüfen.
5 · Räume & AusstattungBarrierefreie Räume, Labor, Sonografie, EKG und Impf-Kühlkette — überschaubare Medizintechnik ohne Großgerät.
6 · PVS & TI-AnbindungPraxisverwaltungssystem mit HZV-Modul und Telematikinfrastruktur: eRezept, eAU, KIM und ePA.
7 · Team & PersonalMFA und Verwaltung — angesichts des Fachkräftemangels früh rekrutieren, VERAH-Qualifikation prüfen.
8 · HZV-Verträge beitretenDer hausarztzentrierten Versorgung beitreten: verlässlicher Stamm und Honorar außerhalb des Budgets — mit Pflicht zu Qualitätszirkeln.
9 · QM, Hygiene & DatenschutzQM-Richtlinie, RKI-Hygiene und DSGVO — Pflicht und Prüfsicherheit von Anfang an.
10 · Marketing & SichtbarkeitWebsite, Google-Profil und Bewertungen — auch als Hausarztpraxis entscheidend für Neupatient:innen und Nachwuchs.

Diese Checkliste gibt es auch als kostenlose Vorlage zum Download — mit Fristen und Zuständigkeiten. Zu den Downloads

Die erste Weiche

Gründen oder übernehmen?

In der Allgemeinmedizin haben Sie öfter echte Wahl — weil freie Sitze existieren. Trotzdem ist die Übernahme der häufigste Quereinstieg.

Neugründung

Von Null aufbauen

  • Realistisch, wo ein hausärztlicher Sitz offen ist
  • In unterversorgten Regionen oft Förderung und Zuschläge
  • Praxiskonzept und Team frei nach eigenem Kopf
  • Patientenstamm wächst erst, längerer Anlauf
Mehr zur Neugründung →
Übernahme

Bestehende Praxis übernehmen

  • Kassensitz, Patientenstamm und Team ab Tag 1
  • Planbare Zahlen, leichtere Finanzierung
  • In gesperrten Bereichen der Weg zum Sitz
  • Kaufpreis und Modernisierungsstau prüfen
Mehr zur Übernahme →
Und danach?

Praxis steht — jetzt kommen die richtigen Patient:innen.

Die Gründung selbst navigieren Sie mit unseren Infos. Wenn die Hausarztpraxis läuft, kommt der Teil, den wir übernehmen: Website, lokale Sichtbarkeit, Bewertungen und Ihre eigene Praxis-KI.

Häufige Fragen

Hausarztpraxis — kurz erklärt

Was kostet die Gründung einer Hausarztpraxis?
Vergleichsweise wenig — gemessen an anderen Facharztgruppen. Für die Übernahme einer bestehenden Hausarztpraxis werden im Schnitt rund 190.000 Euro fällig, für eine Neugründung eher 200.000 bis 230.000 Euro; einfache Konzepte starten teils schon ab etwa 150.000 Euro. Da keine Großgeräte nötig sind, entfällt der größte Kostenblock geräteintensiver Fachrichtungen. Belastbar wird die Zahl erst mit einem Businessplan und Ihrer Steuerberatung.
Bekomme ich als Hausärztin oder Hausarzt leichter einen Kassensitz?
Tendenziell ja. Die Bedarfsplanung ist für die hausärztliche Versorgung vielerorts offener als für spezialisierte Fachgruppen — gerade in ländlichen und drohend unterversorgten Regionen sind Planungsbereiche häufig nicht gesperrt. Dort ist eine Neuzulassung möglich. In gesperrten Bereichen führt der Weg über die Nachbesetzung eines bestehenden Sitzes nach Paragraf 103 SGB V.
Was ist die hausarztzentrierte Versorgung (HZV) und lohnt sie sich?
Die HZV nach Paragraf 73b SGB V ist ein freiwilliges Vertragsmodell, bei dem sich Patientinnen und Patienten verbindlich für eine Hausarztpraxis als ersten Ansprechpartner entscheiden. Bundesweit sind mehrere Millionen Versicherte eingeschrieben. Für die Praxis bedeutet das einen verlässlichen Patientenstamm und eine planbare Vergütung außerhalb des üblichen Budgets — im Gegenzug sind Qualitätszirkel, strukturierte Fortbildung und leitliniengerechtes Arbeiten verpflichtend.
Welche Förderung gibt es für die Niederlassung auf dem Land?
Viele Bundesländer und Kassenärztliche Vereinigungen zahlen Investitionszuschüsse für die Niederlassung in unterversorgten Gebieten — die Spannen reichen je nach Land von rund 30.000 Euro bis zu 90.000 Euro. Dazu kommen Sicherstellungszuschläge und geförderte Kredite der KfW. Welche Programme greifen, hängt vom konkreten Planungsbereich ab; die zuständige KV gibt Auskunft.

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