Liquiditäts- & Finanzplan-Vorlage für Ihre Praxis
Die ersten 24 Monate im Blick — monatliche Einnahmen, Ausgaben, Kapitaldienst und Privatentnahmen, damit Sie sehen, wann die Praxis trägt und wie viel Puffer Sie brauchen.
Warum ein Liquiditätsplan?
Rentabilität zeigt, ob Ihre Praxis über einen Zeitraum Gewinn erwirtschaftet; Liquidität zeigt, ob Sie in jedem einzelnen Monat zahlungsfähig sind — das ist nicht dasselbe. Die meisten jungen Praxen scheitern nicht an fehlender Rentabilität, sondern an Liquiditätslücken in der Anlaufphase: Die Investitionen sind sofort fällig, während das Kassenhonorar (KV/KZV) erst zeitversetzt eingeht.
Entscheidend für den Plan: Kapitaldienst (Tilgung) und Privatentnahmen sind keine Kosten in der Gewinn- und Verlustrechnung — sie mindern also nicht den Gewinn, sind aber voll liquiditätswirksam und müssen im Liquiditätsplan stehen. Genau hier trennt sich der Finanzplan von der reinen Rentabilitätsbetrachtung.
- Kassenhonorar (KV/KZV)Fließt zeitversetzt — Abschlags- und Restzahlungen folgen einer Quartalslogik. Planen Sie die ersten Anlaufmonate bewusst ohne bzw. mit nur geringem Honorareingang.
- Privatliquidation / Selbstzahler / IGeLPrivat abgerechnete Leistungen; Zahlungseingang je nach Rechnungsstellung und Zahlungsziel ansetzen.
- Sonstige EinnahmenZum Beispiel Gutachten, Kooperationen, Vorträge oder Vermietung.
- Einlagen / Darlehensauszahlungen (Finanzierung)Eigenkapitaleinlagen und Auszahlungen aus dem Investitions- oder Betriebsmittelkredit — nur in dem Monat ansetzen, in dem der Zufluss tatsächlich erfolgt.
- PersonalLöhne und Gehälter, Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, Lohnnebenkosten.
- RaumkostenMiete, Nebenkosten, Energie (Strom, Wärme, Wasser).
- Material / Labor / Fremdlabor, WarenlagerVerbrauchsmaterial, Eigen- und Fremdlabor sowie Auf- und Abbau des Warenlagers.
- Geräte-, IT-, PVS- und TI-KostenWartung, Support, Software-/PVS-Gebühren, TI-Betrieb sowie Leasingraten für Geräte.
- Versicherungen & BeiträgeKammer, KV/KZV, Berufsgenossenschaft, Berufshaftpflicht und betriebliche Sachversicherungen.
- Marketing / WebsiteWebsite-Betrieb, Google-Profil, lokale Werbung, Praxisschild.
- Steuern & BeiträgeEinkommensteuer-Vorauszahlungen; ggf. Umsatzsteuer bei umsatzsteuerpflichtigen Leistungen — Heilbehandlungen sind meist umsatzsteuerfrei, die genaue Zuordnung unbedingt mit Steuerberater:in klären. Dazu Kranken- und Rentenversicherung.
- Sonstiges / PufferReserve für Unvorhergesehenes und kleinere laufende Posten.
Der Kapitaldienst umfasst Zinsen und Tilgung Ihrer Finanzierung. Entscheidend: Die Tilgung ist voll liquiditätswirksam, aber kein Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung — nur die Zinsen sind Aufwand. Genau dieser Punkt ist der häufigste Fehler in Anfängerplänen, weil die Tilgung im Rentabilitätsplan „unsichtbar" bleibt, das Konto aber trotzdem belastet.
- ZinsenZinsanteil der monatlichen Rate — mindert als Aufwand den Gewinn.
- TilgungRückzahlung des Darlehens — liquiditätswirksam, aber kein Aufwand; gehört zwingend in den Liquiditätsplan.
- Tilgungsfreie Anlaufzeit prüfenEine anfänglich tilgungsfreie Zeit entlastet die Liquidität in der kritischen Startphase — mit der Bank verhandeln.
Als selbstständige:r Behandler:in beziehen Sie kein Gehalt — Ihre private Lebenshaltung wird über Entnahmen aus der Praxis gedeckt. In den ersten Monaten, wenn das Honorar noch nicht fließt, stammen diese Entnahmen häufig aus dem Betriebsmittelkredit. Setzen Sie die Entnahmen realistisch an — zu niedrig geplant, reißt die private Seite später ein Loch in die Liquidität.
- Private Miete / WohnkostenWarmmiete oder Finanzierungsrate für die eigene Wohnung bzw. das eigene Haus.
- Kranken- & Pflegeversicherung (privat)Persönliche Absicherung, soweit nicht bereits unter Baustein 2 erfasst.
- AltersvorsorgeVersorgungswerk, private Renten- oder Kapitalvorsorge.
- LebenshaltungHaushalt, Familie, Mobilität, Freizeit und laufende private Ausgaben.
- Private Versicherungen & RücklagenBerufsunfähigkeit, private Haftpflicht sowie persönliche Rücklagenbildung.
Aus den Bausteinen 1–4 ergibt sich Monat für Monat Ihre Liquidität. Die Rechenlogik in drei Schritten:
- 1) Monatssaldo = Einzahlungen − Auszahlungen − Kapitaldienst − Privatentnahme.
- 2) Kumulierter Saldo (Liquidität) = kumulierter Saldo des Vormonats + Monatssaldo. Der Startwert ist Ihre verfügbare Liquidität, also Betriebsmittel bzw. Kontokorrentlinie.
- 3) Kritisch wird es, sobald der kumulierte Saldo die vereinbarte Kontokorrent- bzw. Reservelinie erreicht — dann ist der Puffer aufgebraucht.
| Ampel | Situation | Empfehlung |
|---|---|---|
| Grün | Kumulierte Liquidität liegt komfortabel über der Reservelinie — Puffer größer als X Monatsausgaben. | Kurs halten, Rücklagen aufbauen. |
| Gelb | Der Puffer schmilzt, die Reichweite sinkt unter X Monatsausgaben. | Ausgaben prüfen, Umsatzhochlauf beobachten, Gespräch mit Bank / Steuerberater:in vorbereiten. |
| Rot | Kumulierte Liquidität erreicht oder unterschreitet die vereinbarte Kontokorrent- bzw. Reservelinie. | Sofort gegensteuern; Linie, Prolongation oder Anpassung mit der Bank klären. |
Hinweis zu „X": „X" ist ein individuell festzulegender Orientierungswert (allgemeine Faustregel, z. B. die Reichweite von mehreren Monatsausgaben) und bewusst ohne feste Euro-Beträge angegeben. Legen Sie Ihre persönliche Schwelle gemeinsam mit Steuerberater:in und Bank fest.
Rechnen Sie den Plan in drei Varianten. Am stärksten schwanken erfahrungsgemäß der Umsatzhochlauf und der Zeitpunkt der Zahlungseingänge — genau die Größen, die über die Liquidität in der Anlaufphase entscheiden.
- Vorsichtig (konservativ)Langsamer Hochlauf, spätere Zahlungseingänge, eher höhere Kosten. Diese Variante zeigt Ihren maximalen Kapitalbedarf.
- RealistischIhre wahrscheinlichste Annahme für Umsatzentwicklung und Kosten.
- Gut (optimistisch)Schneller Hochlauf und zügige Zahlungseingänge — die Obergrenze, nicht die Planungsbasis.
Monatsraster (Auszug)
Übertragen Sie dieses Raster in Ihre Tabellenkalkulation mit 24 Monatsspalten. Die Zellen bleiben hier bewusst leer — Sie füllen sie mit Ihren eigenen Zahlen.
| Position | Monat 1 | Monat 2 | Monat 3 | … | Monat 24 |
|---|---|---|---|---|---|
| Einzahlungen gesamt | … | ||||
| Auszahlungen gesamt | … | ||||
| Kapitaldienst | … | ||||
| Privatentnahme | … | ||||
| = Monatssaldo | … | ||||
| Kumulierte Liquidität | … |